Nr.13, 03.08.01
Endlich! Ich bin in Portugal! Nachdem ich am Morgen mit der Motorradjacke beim Frühstück saß, wäre ich 3 Stunden später gern’ in kurzen Hosen gefahren. Nach 270 abwechslungsreichen Kilometern war ich nass wie nach einer Regenfahrt. Entgegen aller Vorurteile und Befürchtungen der Daheimgebliebenen, sieht es hier nicht ärmlich aus und die Leute sind freundlich. Die Beschilderung ist besser als in Spanien und es wird nicht nur zweckmäßig sondern auch schön gebaut. Wir haben ein romantisches Städtchen mit Fußgängerzone gefunden. Bis auf das viel zu ölige Abendessen ist alles perfekt.

Nr. 14, 04.09.01
Viana do Castelo ist der Name der Stadt, die unser gestriges Etappenziel war. Heute haben wir das historische Zentrum erkundet. Es gibt eine große Fußgängerzone mit vielen verzweigten engen Gassen. Das Stadtbild ist gleichmäßig ohne störende Neubauten. Die Fassaden der 1-2 stockigen Häuser sind häufig mit bunten Fliesen verziert. Alle Häuser haben schmale Balkone über die ganze Hausbreite mit schmiedeeisernen Geländern. Auf den kleinen Plätzen locken schattige Lokale zur Rast. Die Stadt ist sehr gepflegt und erinnert mich stark an die schönen Städte in Tschechien. Im Gegensatz zu Spanien, ist es problemlos möglich sich in Englisch zu verständigen. Die Leute sind sehr freundlich, auch wenn wir kein Wort Portugiesisch können; wir haben das Gefühl willkommen zu sein. Die Altstadt wird vom Hafen durch eine breite, von 3 Baumreihen beschattete Promenade getrennt. Hier sitze ich im Augenblick und genieße das rege Treiben. Einige Gärtner sind dabei die üppige Blumenpracht zu pflegen, auf den Bänken sitzen Menschen und lesen Zeitung oder unterhalten sich. 2 Junge Mädchen begutachten gegenseitig ihre Einkäufe; Touristenrummel? - Fehlanzeige!

Nr. 15, 05.09.01
Wir haben ein Auto gemietet um eine größere Rundfahrt mit mehreren Stadtbesichtigungen zu machen. Eine Strecke mit fast 300 Km incl. 3 Städte und einer Wallfahrtskirche, das ist mit den Motos nicht zu schaffen. So genießen wir den Komfort leichter Kleidung und Klimaanlage. Der erste Halt, die Marktstadt Barcelos verlassen wir schon bald wieder. Der berühmte Markt ist leider erst morgen - schade. Das nächste Ziel ist Braga. Wir kommen durch herrliche Landschaft und sehen zahllose Traumvillen. In meinem Reiseführer steht, Portugal sei eines der ärmsten Länder Europas. Offensichtlich ist das nicht. Es fahren lauter neue Autos herum, viele große luxuriöse Geländewagen. Selbst kleinere Orte wirken fertiger, betuchter als z.B. in Spanien. Braga hat mir gut gefallen, leider hatte Martin keine rechte Lust die Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, so das ich alles nur von außen ansehen konnte. Es gibt viele alte historische Gebäude, aber auch viele moderne Bauwerke. Die Planer haben es verstanden alt und neu harmonisch zusammen zu fügen. Der Höhepunkt war das Mittagessen. Ein unscheinbares Schild versprach traditionelle Portugiesische Mahlzeiten. Eine Speisekarte war nicht aufgehängt. Ein Blick durchs Fenster machte uns aber Appetit. Die Gaststätte war ein großer Saal mit gewölbter Decke. Einfache Holzstühle standen an Tischen mit karierten Decken. An den geschätzt 30 Tischen saßen nur Einheimische mit Speisen auf den Tellern, die wir noch nie gesehen hatten. Solche traditionellen Gaststätten habe ich bisher nur in Prag gesehen, überhaupt erinnert mich hier vieles an Tschechien. Also nichts wie hinein! Die nur in Portugiesisch erhältliche Speisekarte war für uns natürlich nicht sehr aufschlussreich. So haben wir uns für Komplettmenüs entschieden, damit liegt man nie falsch. Martin wählte Fleisch, ich Oktopus. Zuerst kam eine lecker-sämige Gemüsesuppe, dann frischer Salat. Die Hauptspeise war der Knüller: Martin hatte 3 ordentliche Scheiben saftigen Braten mit Bratkartoffeln und schmackhafter Soße. Ich bekam zum ersten Mal im Leben richtigen Tintenfisch. Was bei uns als Tintenfischringe verkauft wird, sind die in Scheiben geschnittenen Körper der Sepia. Diese kenne ich auch gegrillt. Aber heute hatte ich wirklich einen halben Tintenfisch. Den mit den langen Armen voller Saugnäpfe! Köstlich. Dazu gab es frische feine Bohnen und Kartoffeln. Zum Abschluss gekühlte und vor allem reife Honigmelone. Nach solchen Häusern werden wir weiterhin Ausschau halten. Frisch gestärkt ging es weiter zur Wallfahrtskirche "Bom Jesus do Monte".  Die Kirche liegt auf einem über 500 Meter hohen Berg. Hinauf gelangt man über eine bombastische Schautreppe mit über 600 Stufen. Faul wie wir nach dem Essen sind, haben wir die Strecke dann lieber mit der wasserbetriebenen 70 Jahre alten Zahnradbahn zurück gelegt. Die Bahn wird durch das Gewicht des Wassers betrieben. Die imposante Treppenanlage aus dem 18. Jahrhundert haben wir dann beim Abstieg begutachtet. Die für mich schönste Stadt der heutigen Tour war die Universitätsstadt Guimaraes. Allerdings hatten wir keine Lust mehr einen weiteren Berg zu erklimmen um die Burg zu besichtigen. Wir sind mit Begeisterung durch die kleinen Gassen der Altstadt geschlendert und haben uns auf einem romantischen Platz mit historischen und bestens erhaltenen Häusern ein nettes Café gesucht. Den Sonnenuntergang wollten wir am Atlantik anschauen. Leider haben wir uns dank nicht vorhandener Beschilderung mehrfach verfahren und waren etwas genervt als wir in Vila do Conde ankamen. Hier wurden Betonklötze errichtet - unglaublich! Auch unglaublich, dass entsprechend viele Menschen hier ihre Ferien freiwillig verbringen. Na ja, ein Sonnenuntergang am Atlantik entschädigt für manches, vor allem wenn wie bestellt ein Fischerboot fürs Foto durch den Sonnenball am Horizont gleitet.

Nr. 16, 06.09.01
Eine reine Fahretappe. Für die 430 Km von V. d. Castelo nach Lissabon haben wir die Autobahn gewählt. Es war mein Ziel, die ganze Reise keine Autobahn zu fahren, doch von diesem Ideal habe ich mich lange verabschiedet. Auf kurvigen Schlängelstrassen mit zig Ortsdurchfahrten können 200 km schnell zur Tagesetappe werden. Wie alle langen Autobahnfahrten ist es auch heute schnell langweilig, zudem verlangen die Fahrkünste der Portugiesen alle Aufmerksamkeit. Nach weniger als 100 km habe ich keinen Blick mehr für die Landschaft. Schemenhaft nehme ich wahr, dass weite Strecken durch Wälder verlaufen. Abstand halten scheint hier ein Fremdwort zu sein, die Autos hängen immer dicht auf dem Vordermann. Beim Einscheren nach dem Überholen wird knapp am Koffer vorbei gleich am Vorderrad eingeschert. Ein Lkw-Fahrer der anscheinend einfach keine Motorradfahrer leiden kann, versucht zuerst Martin zu Überrollen, dann will er mich gegen die Leitplanke drücken. Das alles ohne Vorgeschichte, wir sind ihm vorher nie begegnet. Ca. 100 km vor Lissabon bemerke ich, dass sich die Landschaft verändert hat. Die großen Wälder sind Landwirtschaftlichen Flächen gewichen und es gibt Olivenhaine. Martin hat etwas Panik vor dem Lissabonner Verkehr; mit dem Auto hätte ich die auch. Aber auf meiner Alp bin ich nur vor Erwartung kribbelig, der Verkehr lässt mich kalt. Lissabon! Welch ein Name! Wie viele Träume verbinde ich damit? Die unbekannte Stadt am Ende Europas? In der Ferne links sehe ich schemenhaft die "Ponte Vasco da Gama" im Dunst. Ein gigantisches, wunderschönes Bauwerk; ich habe Gänsehaut. Vor unserer Brücke, der "Ponte do 25 de Abril" ist Stau. Ich freue mich, so kann ich länger die alten Häuser betrachten, die am Berg links von mir kleben. Dann die Auffahrt auf die Brücke, unter mir Wasser, links die Stadt und über mir die Stahltrossen der Brückenkonstruktion, ich bin total bewegt und muss schlucken. Hoffentlich kann ich diese Nacht schlafen, bin voller Vorfreude auf diese Stadt.

Nr. 17, 07.09.01
Wir erreichen Lissabon per Boot. Unterwegs bewundere ich noch einmal die riesige Brücke. Mit ihren 3,5 Km Länge und den 2 riesigen Säulenpaaren, welche die Stahltrossen aufnehmen ist sie eine imposante Konstruktion. Nachdem wir etwas ziellos durch unzählige Strassen mit Hunderten von Läden geschlendert sind, entschließen wir uns zu einer Stadtrundfahrt mit einem Doppelstöckigen Bus. Die obere Etage hat kein Dach, sodass wir die Aussicht bei angenehmen Fahrtwind genießen können. Die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt liegen weit auseinander; zu Fuß wäre das unmöglich zu schaffen. Später streifen wir durch die Alfama. Dieser Stadtteil besteht aus so vielen verwinkelten Gässchen und Treppen, das wir fast Angst bekommen nicht wieder hinaus zu finden. Wir steigen Gassen hinauf, die so schmal sind, dass die Bewohner der einen Strassenseite den Nachbarn gegenüber die Hand reichen können. Vor den Fenstern hängen Leinen an denen die Wäsche zum Trocknen hängt. Bei manchem Blick in einen Flur oder ein Zimmer graust es mich, beim nächsten bin ich erstaunt über die aufgeräumte Sauberkeit hinter einer bröckelnden Fassade. Schaue ich nach oben in eine höher Gasse, scheint diese steil in den Himmel zu führen, schaue ich in eine tiefere geht es steil bergab. Manchmal erhascht der Blick eine vorbeihuschende Katze oder Grasbüschel, die auf den alten maroden Dächern wachsen. Fast schäme ich mich dafür, dass mich dieses Gewirr von Gassen und Armut fasziniert, wollte ich doch hier um nichts in der Welt leben. Den Abend verbringen wir in einem zum Café-Restaurant umgebauten Dock am Hafen. Es ist schön, einfach so dazusitzen und auf diesen riesigen Fluss, den Tejo zu blicken. Die tief stehende Sonne taucht alles in ein Pastell schimmerndes Licht. Das Wasser, der Himmel, das andere Ufer und die Schiffe; alles wirkt irgendwie unwirklich schön. Ein großes ankerndes Frachtschiff dreht sich ganz langsam, fast unmerklich im Wind. Schnellboote fahren vorbei und Studenten sitzen im Schatten vor ihren Hausaufgaben. Im Gegenlicht sehe ich Menschen reden, träumen; hier könnte ich noch Stunden sitzen. Für den Rückweg wollen wir eine andere Fähre nehmen. Wir erreichen sie mit einer historischen Strassenbahn. Am Anleger ist eine große Fete. Alles dreht sich um Motorräder. Es wird gegrillt und Händler bieten Kleidung mit Werbung aller großen Motorradhersteller an. Eine Band spielt Rockmusik dazu. Es kommen immer mehr Maschinen angerollt; innerhalb einer halben Stunde ist der Platz ein riesiger Motorradtreff. Im Hintergrund ist die Brücke jetzt beleuchtet, welch eine Kulisse für eine Bikerparty!

Nr. 18, 08.09.01
Der Stadtteil Belem ist heute unser Ziel. Dieser Tag soll uns in die Vergangenheit, die Zeit der großen Entdeckungen führen. Das "Pareao dos Descobrimentos" ist ein riesiges Monument zum Gedenken an die großen Weltentdeckungen. Das riesige Bauwerk ist ein stilisiertes Schiff. Heinrich der Seefahrer führt seine Besatzung aus Kartographen, Wissenschaftlern, Heiligen, Chronisten und anderen an. Von der Aussichtsplattform haben wir einen tollen Rundblick auf den Tejo, die Brücke und Belem. Später im Marinemuseum, welches im prächtigen Hieronymuskloster untergebracht ist, wird dann die Zeit der Entdeckungen endgültig lebendig. Mir geht durch den Kopf, dass ich eine Reise wie diese oder nach Marokko als "große" Reise oder Abenteuer empfinde. Welche Sehnsucht, Neugier oder Wissensdurst hat die großen Seefahrer von Damals getrieben? Als Vasco da Gama sich aufmachte, den Seeweg nach Indien zu finden, wusste er ja gar nicht das es ihn tatsächlich gibt! Wie muss er von seiner Sache überzeugt gewesen sein um Geldgeber für dieses Abenteuer zu finden und wie viel Mut gehörte dazu eine Fahrt ins wirklich Ungewisse zu machen! Und welche Empfindungen müssen diese Entdecker gehabt haben, als sie in Asien oder Brasilien auf Völker mit völlig anderen Bräuchen, ja sogar völlig anderem Aussehen trafen? Im Marinemuseum finden sich unglaublich viele wunderschön gearbeitete Schiffsmodelle. Zudem habe ich noch in keinem Museum so viele herrliche Bilder gesehen. Besonders gut gefallen mir die original gezeichneten Landkarten von damals. Ich stelle mir vor, wie eine solche Karte durch meine eigene Fahrt Stück für Stück entsteht. Ein weißes Blatt wird von Woche zu Woche langsam zu einer neuen Landkarte, Wahnsinn!  In der Klosterkirche hat Vasco da Gama seine letzte Ruhestätte; mich fröstelt, als ich vor seinem Sarkophag stehe. Jetzt widme ich mich meiner Lissabonner Lieblingsbeschäftigung: Am Tejo sitzen, aufs Wasser schauen und voller Sehnsucht an ferne Länder denken. Unglaublich! Ich habe Urlaub und leide an Fernweh! Als wir am Abend zur Anlegestelle für unsere Fähre kommen, staunen wir nicht schlecht. Schon von weitem hören wir laute Rockmusik. Auf der Fußgängerbrücke welche die 8 Fahrspuren sowie die Bahngleise überbrückt, war kaum ein Durchkommen. Dichtgedrängt stehen Schaulustige am Geländer. An einer Strassenseite (4 Fahrspuren; 2 für jede Richtung, nicht getrennt) ist eine Tribüne aufgebaut. Auf dem großen Parkplatz vor der Anlegestelle ist kaum noch ein Platz frei. Hunderte von Motorrädern, Fahrern und Schaulustigen haben sich hier versammelt. Auf der Strasse zeigten die Mutigen und die Könner ihre Fähigkeiten. Burn outs, Wheelies und Fahren auf dem Vorderrad. Wenden im Stehen oder auf dem Vorderrad. Und, für uns unvorstellbar: das alles spielt sich zwischen den Autos im fließenden Verkehr ab!!! Die Strasse ist nicht gesperrt!! Das ist sicher für später noch geplant, Absperrgitter stehen schon herum und da ist ja auch die Tribüne. Leider geht vorher die letzte Fähre und wir müssen los. -schade.

Nr. 19,  09.09.01
Am letzten Tag in Lissabon besuchen wir den Park der Nationen unser Ziel. Hier auf dem Gelände der Expo 1998 ist ein riesiges Einkaufszentrum mit Freizeitpark entstanden. Viele Pavillons der Expo werden weiter genutzt. Von Belem fahren wir mit dem Bus Nr. 28 ans andere Ende der Stadt. Der Busfahrer treibt seinen Gelenkbus mit solch einem Tempo durch die Stadt, dass wir wirklich Angst bekommen und uns fragen, wie viele Busse er so pro Woche verbraucht... Das Expo Gelände empfängt uns mit einem modernen Einkaufszentrum. Alles ist modern gestaltet ohne kalt zu wirken. Es gibt eine wirklich schöne Promenade am Fluss entlang, eine Flaniermeile mit Restaurants, schön gestaltete Gärten mit vielen phantasievollen Wasserspielen und viele Bänke zum Verweilen. Die Distanz vom einen zum anderen Ende des Parks, kann man mit einer Seilbahn, die am Tejo entlang verläuft überbrücken. Der 100 Meter Hohe Aussichtsturm hat die Form eines Segelschiffes und trägt ebenso wie das Shopping-Center den Namen des wohl berühmtesten Sohnes Portugals: Vasco da Gama. Auf die Aussichtsplattform gelangt man mit einem gläsernen Außenaufzug; nichts für Leute mit Höhenangst! Das Highlight des Tages war für mich persönlich das Ozeanarium. Hier dreht sich alles um das Leben im und auf dem Meer. Zentrum dieses Komplexes ist ein riesiges Aquarium, welches 3 Etagen füllt. Der Besucher betritt nur 2 Etagen, hat also beim Blick in dieses "Meer" immer den Unterwassereinblick. Neben Haien, Rochen, Thunfischen und riesigen Welsen gibt es noch viele andere große und kleine Fische zu bestaunen. Der Rundgang beginnt im Obergeschoss. Dort sind noch 4 weitere Bereiche zu sehen. Besonders gut gefallen haben mir die flinken Pinguine und die putzigen Seeotter. Im Untergeschoss hat man wieder Einblick in das Riesenaquarium und sieht Fische die in den tieferen Regionen leben. Hier unten sausen plötzlich die Pinguine an der Scheibe vorbei. Um die nächste Ecke beobachten wir die Seeotter beim Tauchen. Erst da merken wir, dass diese Bereiche alle mit dem großen Aquarium verbunden sind. Erst bei genauerem Hinsehen merken wir, dass die Tiere durch Glasscheiben im Wasser für die Besucher unsichtbar getrennt sind. Ein toller Effekt! Der Tag ist natürlich viel zu schnell vorbei und wir haben noch nicht alles angeschaut. Als wir im Bus sitzen und am schön beleuchteten "Praca do Comercio" vorbeifahren, wäre ich gern noch etwas geblieben. Viel schönes gäbe es noch zu sehen; herrliche Gärten, Historische Gebäude und interessante Museen, wieder einmal haben wir Gründe für einen weiteren Besuch!

Nr. 20, 10.09.01
Wir wollen uns einige Tage Entspannung am Meer gönnen, und brechen nach Süden auf. An der Algarve mal faul sein, dieses Bedürfnis haben wir mittlerweile. Am Anfang ist die Autobahnfahrerei öde, dann verändert sich die Landschaft. Die Gegend ist hügelig mit rotbrauner Erde und sattgrüne, buschige Pinien wechseln mit Korkeichen ab, deren frisch geschälte Stämme rötlich leuchten. Auch das Aussehen der Orte hat sich verändert. Gab es bisher viele Häuser mit bunt gekachelten Fassaden, so sind jetzt alle Gebäude blendend weiß gestrichen. In der rotbraunen Landschaft mit den locker wachsenden Bäumen sehen diese weißen Dörfer fast unwirklich aus. Später verschwinden die Bäume fast völlig. Es ist sengend heiß. Das Gras auf den baumlosen Hügeln ist schon lange verdorrt; die Gegend hat ein fast wüstenhaftes Aussehen. Wir haben die Autobahn verlassen. Die Hügel sind steiler geworden und es geht auf und ab. Überall wachsen Korkeichen und die Luft ist erfüllt mit dem würzigen Duft mir unbekannter Gewächse. Als wir in Küstennähe kommen ist es mit der Schönheit vorbei. Es herrscht dichter Verkehr. Wir haben die Ecke um Lagos herum ausgewählt. Der Ort soll sehenswert sein und hier sind schöne Strände verzeichnet. Doch von Ruhe und Beschaulichkeit ist hier keine Spur. Um die kleine Altstadt von Lagos wurde ein  Kilometerbreiter Streifen mit Bettenburgen errichtet. Fast hätten wir den Kern nicht gefunden. Auch um die angrenzenden Strände sind riesige Betongürtel entstanden; ich habe den Eindruck, auf jeden Einwohner müssten 1000 Touristen kommen. Diese Anlagen erstrecken sich weit ins Land. Alle diese Touristen strömen dann mit Autos und Bussen an die ja ach so romantischen Strände; so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Einen Campingplatz am Meer finden wir auch nicht. Die wenigen Plätze sind im Hinterland; das kostbare Meer ist den Pauschalreisenden vorbehalten. Nach mehreren erfolglosen Suchfahrten, entschließen wir uns noch eben zum Cabo de Sao Vincente zu fahren, dann ein Quartier für die Nacht zu suchen und morgen Richtung Spanien zu fahren. Einige Kilometer vor dem Cap sehe ich einen Wegweiser zu einem Campingplatz. O.k., letzter Versuch, denke ich und biege ab. Nach einem Kilometer stehen wir nach nun 388 km vor einem gepflegten Platz mit Schatten spendenden Pinien. Ich freue mich; jetzt haben wir den ganzen morgigen Tag Zeit, die Gegend um das Cap zu erforschen.

Nr. 21, 11.09.01
Wir lassen es ruhig angehen heute. Der erste Campingplatz mit wirklich sauberen Sanitärgebäuden lässt mich das morgendliche Duschen ausgiebig genießen. Es ist schon fast Mittag, als wir aufbrechen die Küste zu erkunden. Dieses Landstück ist ein karges Hochplateau. Nur niederes Buschwerk wächst auf dem trockenen roten Boden. Wir fahren die Motorräder an den Rand der Klippen. Das Panorama ist atemberaubend! Das Land bricht abrupt ab und stürzt 60 Meter senkrecht ins Meer. Es wirkt, als hätte man diese Küste mit dem Messer abgeschnitten. Von hier können wir bis zum Cabo de Sao Vincente mit seinem Leuchtturm sehen. Als ich das so plötzlich endende Land sehe, verstehe ich dass die Menschen im Mittelalter dachten dort wäre die Welt zu ende. Hier finden wir auch die kleinen, von bizarren Felsformationen eingerahmten Sandstrände. In Jahrhunderten hat das Meer Höhlen, Felsen und Bögen geschaffen. Es ist schön, diesen Formenreichtum zu betrachten; nur einsam ist es hier am Ende Portugals nicht. Auch im letzten Ort Sagres, gibt es mehr Unterkünfte für Touristen als Einheimische. Zusätzlich spucken Reisebusse ganze Ladungen von Menschen aus. Den Höhepunkt des Rummels erreichen wir vor dem Leuchtturm am Cap. Hier ist ein Barackencamp entstanden. Neben Schnellimbiss und Ansichtskarten wird aller möglicher Kitsch verkauft. Ich kann meinen Augen kaum trauen als ich vor einen riesigen Stand mit Wollpullovern, Wollsocken, Mützen und warmen Decken stehe. Gleich daneben stehen 5 Reisebusse mit laufenden Motoren - für die Klimaanlage!

Nr. 22,  12.09.01
Ein verlorener Urlaubstag. Streit und öde Strecke, für Bettenburgen zerstörte Landschaft und zugebaute Orte. Martin hat das Motorrad fahren gründlich satt und möchte die schnellste Strecke fahren, ich liebe die schönen Strecken im Hinterland mit vielen Fotostops. Daraus wird heute nichts. Wir wählen den letzten Küstenort vor der Spanischen Grenze als Tagesziel nach nur 203 km. Der schmuddelige Campingplatz mit tiefem Sand als Untergrund trägt nicht zu besserer Laune ein. Als Fazit für diesen Tag bleibt, dass Massentourismus das zerstört, wofür er entstanden ist.

Nr. 23, 13.09.01
Ruhetag am Strand von Monte Gordo. Keine Erlebnisse. Beton, Souvenirläden, Promenade, Strand, Liegestühle, Meer; Menschen mit Sonnenbrand
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