Nr. 20, 10.09.01
Wir wollen uns einige Tage Entspannung am Meer gönnen, und brechen nach Süden auf. An der Algarve mal faul sein, dieses Bedürfnis haben wir mittlerweile. Am Anfang ist die Autobahnfahrerei öde, dann verändert sich die Landschaft. Die Gegend ist hügelig mit rotbrauner Erde und sattgrüne, buschige Pinien wechseln mit Korkeichen ab, deren frisch geschälte Stämme rötlich leuchten. Auch das Aussehen der Orte hat sich verändert. Gab es bisher viele Häuser mit bunt gekachelten Fassaden, so sind jetzt alle Gebäude blendend weiss gestrichen. In der rotbraunen Landschaft mit den locker wachsenden Bäumen sehen diese weissen Dörfer fast unwirklich aus. Später verschwinden die Bäume fast völlig. Es ist sengend heiss. Das Gras auf den baumlosen Hügeln ist schon lange verdorrt; die Gegend hat ein fast wüstenhaftes Aussehen. Wir haben die Autobahn verlassen. Die Hügel sind steiler geworden und es geht auf und ab. Überall wachsen Korkeichen und die Luft ist erfüllt mit dem würzigen Duft mir unbekannter Gewächse. Als wir in Küstennähe kommen ist es mit der Schönheit vorbei. Es herrscht dichter Verkehr. Wir haben die Ecke um Lagos herum ausgewählt. Der Ort soll sehenswert sein und hier sind schöne Strände verzeichnet. Doch von Ruhe und Beschaulichkeit ist hier keine Spur. Um die kleine Altstadt von Lagos wurde  ein Kilometerbreiter Streifen mit Bettenburgen errichtet. Fast hätten wir den Kern nicht gefunden. Auch um die angrenzenden Strände sind riesige Betongürtel entstanden; ich habe den Eindruck, auf jeden Einwohner müssten 1000 Touristen kommen. Diese Anlagen erstrecken sich weit ins Land. Alle diese Touristen strömen dann mit Autos und Bussen an die ja ach so romantischen Strände; so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Einen Campingplatz am Meer finden wir auch nicht. Die wenigen Plätze sind im Hinterland; das kostbare Meer ist den Pauschalreisenden vorbehalten. Nach mehreren erfolglosen Suchfahrten, entschliessen wir uns noch eben zum Cabo de Sao Vincente zu fahren, dann ein Quartier für die Nacht zu suchen und morgen Richtung Spanien zu fahren. Einige Kilometer vor dem Cap sehe ich einen Wegweiser zu einem Campingplatz. O.k., letzter Versuch, denke ich und biege ab. Nach einem Kilometer stehen wir nach nun 388 km vor einem gepflegten Platz mit Schatten spendenden Pinien. Ich freue mich; jetzt haben wir den ganzen morgigen Tag Zeit, die Gegend um das Cap zu erforschen.
 

Nr. 21, 11.09.01
Wir lassen es ruhig angehen heute. Der erste Campingplatz mit wirklich sauberen Sanitärgebäuden lässt mich das morgendliche Duschen ausgiebig geniessen. Es ist schon fast Mittag, als wir aufbrechen die Küste zu erkunden. Dieses Landstück ist ein karges Hochplateau. Nur niederes Buschwerk wächst auf dem trockenen roten Boden. Wir fahren die Motorräder an den Rand der Klippen. Das Panorama ist atemberaubend! Das Land bricht abrupt ab und stürzt 60 Meter senkrecht ins Meer. Es wirkt, als hätte man diese Küste mit dem Messer abgeschnitten. Von hier können wir bis zum Cabo de Sao Vincente mit seinem Leuchtturm sehen. Als ich das so plötzlich endende Land sehe, verstehe ich dass die Menschen im Mittelalter dachten dort wäre die Welt zu ende. Hier finden wir auch die kleinen, von bizarren Felsformationen eingerahmten Sandstrände. In Jahrhunderten hat das Meer Höhlen, Felsen und Bögen geschaffen. Es ist schön, diesen Formenreichtum zu betrachten; nur einsam ist es hier am Ende Portugals nicht. Auch im letzten Ort Sagres, gibt es mehr Unterkünfte für Touristen als Einheimische. Zusätzlich spucken Reisebusse ganze Ladungen von Menschen aus. Den Höhepunkt des Rummels erreichen wir vor dem Leuchtturm am Cap. Hier ist ein Barackencamp entstanden. Neben Schnellimbiss und Ansichtskarten wird aller möglicher Kitsch verkauft. Ich kann meinen Augen kaum trauen als ich vor einen riesigen Stand mit Wollpullovern, Wollsocken, Mützen und warmen Decken stehe. Gleich daneben stehen 5 Reisebusse mit laufenden Motoren - für die Klimaanlage!

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