Nr. 18, 08.09.01
Der Stadtteil Belem ist heute unser Ziel. Dieser Tag soll uns in die Vergangenheit, die Zeit der großen Entdeckungen führen. Das "Pareao dos Descobrimentos" ist ein riesiges Monument zum Gedenken an die großen Weltentdeckungen. Das riesige Bauwerk ist ein stilisiertes Schiff. Heinrich der Seefahrer führt seine Besatzung aus Kartographen, Wissenschaftlern, Heiligen, Chronisten und anderen an. Von der Aussichtsplattform haben wir einen tollen Rundblick auf den Tejo, die Brücke und Belem. Später im Marinemuseum, welches im prächtigen Hieronymuskloster untergebracht ist, wird dann die Zeit der Entdeckungen endgültig lebendig. Mir geht durch den Kopf, dass ich eine Reise wie diese oder nach Marokko als "große" Reise oder Abenteuer empfinde. Welche Sehnsucht, Neugier oder Wissensdurst hat die großen Seefahrer von Damals getrieben? Als Vasco da Gama sich aufmachte, den Seeweg nach Indien zu finden, wusste er ja gar nicht das es ihn tatsächlich gibt! Wie muss er von seiner Sache überzeugt gewesen sein um Geldgeber für dieses Abenteuer zu finden und wie viel Mut gehörte dazu eine Fahrt ins wirklich Ungewisse zu machen! Und welche Empfindungen müssen diese Entdecker gehabt haben, als sie in Asien oder Brasilien auf Völker mit völlig anderen Bräuchen, ja sogar völlig anderem Aussehen trafen? Im Marinemuseum finden sich unglaublich viele wunderschön gearbeitete Schiffsmodelle. Zudem habe ich noch in keinem Museum so viele herrliche Bilder gesehen. Besonders gut gefallen mir die original gezeichneten Landkarten von damals. Ich stelle mir vor, wie eine solche Karte durch meine eigene Fahrt Stück für Stück entsteht. Ein weißes Blatt wird von Woche zu Woche langsam zu einer neuen Landkarte, Wahnsinn! In der Klosterkirche hat Vasco da Gama seine letzte Ruhestätte; mich fröstelt, als ich vor seinem Sarkophag stehe. Jetzt widme ich mich meiner Lissabonner Lieblingsbeschäftigung: Am Tejo sitzen, aufs Wasser schauen und voller Sehnsucht an ferne Länder denken. Unglaublich! Ich habe Urlaub und leide an Fernweh! Als wir am Abend zur Anlegestelle für unsere Fähre kommen, staunen wir nicht schlecht. Schon von weitem hören wir laute Rockmusik. Auf der Fußgängerbrücke welche die 8 Fahrspuren sowie die Bahngleise überbrückt, war kaum ein Durchkommen. Dichtgedrängt stehen Schaulustige am Geländer. An einer Strassenseite (4 Fahrspuren; 2 für jede Richtung, nicht getrennt) ist eine Tribüne aufgebaut. Auf dem großen Parkplatz vor der Anlegestelle ist kaum noch ein Platz frei. Hunderte von Motorrädern, Fahrern und Schaulustigen haben sich hier versammelt. Auf der Strasse zeigten die Mutigen und die Könner ihre Fähigkeiten. Burn outs, Wheelies und Fahren auf dem Vorderrad. Wenden im Stehen oder auf dem Vorderrad. Und, für uns unvorstellbar: das alles spielt sich zwischen den Autos im fließenden Verkehr ab!!! Die Strasse ist nicht gesperrt!! Das ist sicher für später noch geplant, Absperrgitter stehen schon herum und da ist ja auch die Tribüne. Leider geht vorher die letzte Fähre und wir müssen los. -schade.

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