Nr. 17, 07.09.01
Wir erreichen Lissabon per Boot. Unterwegs
bewundere ich noch einmal die riesige Brücke. Mit ihren 3,5 Km Länge und den 2 riesigen Säulenpaaren, welche die Stahltrossen aufnehmen ist sie eine imposante Konstruktion. Nachdem wir etwas ziellos durch unzählige Strassen mit Hunderten
von Läden geschlendert sind, entschliessen wir uns zu einer Stadtrundfahrt mit einem Doppelstöckigen Bus. Die obere Etage hat kein Dach, sodass wir die Aussicht bei angenehmen Fahrtwind geniessen können. Die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt
liegen weit auseinander; zu Fuss wäre das unmöglich zu schaffen. Später streifen wir durch die Alfama. Dieser Stadtteil besteht aus so vielen verwinkelten Gässchen und Treppen, das wir fast Angst bekommen nicht wieder hinaus zu finden. Wir
steigen Gassen hinauf, die so schmal sind, dass die Bewohner der einen Strassenseite den Nachbarn gegenüber die Hand reichen können. Vor den Fenstern hängen Leinen an denen die Wäsche zum Trocknen hängt. Bei manchem Blick in einen Flur
oder ein Zimmer graust es mich, beim nächsten bin ich erstaunt über die aufgeräumte Sauberkeit hinter einer bröckelnden Fassade. Schaue ich nach oben in eine höher Gasse, scheint diese steil in den Himmel zu führen, schaue ich in eine
tiefere geht es steil bergab. Manchmal erhascht der Blick eine vorbeihuschende Katze oder Grasbüschel, die auf den alten maroden Dächern wachsen. Fast schäme ich mich dafür, dass mich dieses Gewirr von Gassen und Armut fasziniert, wollte
ich doch hier um nichts in der Welt leben. Den Abend verbringen wir in einem zum Café-Restaurant umgebauten Dock am Hafen. Es ist schön, einfach so dazusitzen und auf diesen riesigen Fluss, den Tejo zu blicken. Die tief stehende Sonne
taucht alles in ein Pastell schimmerndes Licht. Das Wasser, der Himmel, das andere Ufer und die Schiffe; alles wirkt irgendwie unwirklich schön. Ein grosses ankerndes Frachtschiff dreht sich ganz langsam, fast unmerklich im Wind.
Schnellboote fahren vorbei und Studenten sitzen im Schatten vor ihren Hausaufgaben. Im Gegenlicht sehe ich Menschen reden, träumen; hier könnte ich noch Stunden sitzen. Für den Rückweg wollen wir eine andere Fähre nehmen. Wir erreichen sie
mit einer historischen Strassenbahn. Am Anleger ist eine grosse Fete. Alles dreht sich um Motorräder. Es wird gegrillt und Händler bieten Kleidung mit Werbung aller grossen Motorradhersteller an. Eine Band spielt Rockmusik dazu. Es kommen
immer mehr Maschinen angerollt; innerhalb einer halben Stunde ist der Platz ein riesiger Motorradtreff. Im Hintergrund ist die Brücke jetzt beleuchtet, welch eine Kulisse für eine Bikerparty!
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