Nr. 10, 31.08.01
Das Ende der Welt, heute weis ich wie es dort aussieht. Dank minimalistischer Beschilderung finden wir in A Coruna die Autobahnzufahrt nicht. Nach einer unfreiwilligen Stadtrundfahrt merken wir erst spät, das wir die falsche Autobahn erwischt haben. Da wir unsere Pläne wegen solcher Kleinigkeiten nicht ändern wollen, verlassen wir die Bahn nach fast 50 nutzlosen Kilometern und begeben uns auf eine ebenso lange Überlandstrecke um wieder auf die geplante Route zu stossen. Kein schlechter Verfahrer. Die Strecke von Ordes nach Carballo entpuppt sich als überdurchschnittlich schön und abwechslungsreich. Wir erleben keine touristischen Highlights, aber monoton ist es nicht einen Kilometer. Es ist leicht bergig, landwirtschaftlich geprägt mit kleinen Dörfern. Einmal begegnet uns ein alter Bauer mit einem Heubeladenen Ochsenkarren. Er hebt die Hand zum Gruss als wir vorbeirollen; hier prallen Welten aufeinander! Ganz plötzlich taucht vor uns das Meer auf. Wir kommen aus den Bergen, hinter einer Kehre liegt es uns plötzlich türkisgrün zu Füssen. Ein traumhafter Anblick! Jetzt haben wir den Westen erreicht. Wir haben den westlichsten Punkt Spaniens, Cabo Fisterra, das Ende der Welt zum Ziel gewählt. Viele Pilger, die nach Santiago de Compostella gepilgert sind, beenden ihre Wallfahrt erst hier. So sehen wir auf dem Weg auch viele Wanderer die an bunten Halstüchern eine Jakobsmuschel als Zeichen tragen. Die Fahrt entlang der Küste ist ein Traum. Immer wieder haben wir herrliche Aussichten auf feinsandige Buchten. Hier finden wir die vom Mittelmeer bekannten Kiefernwälder, die die Laubwälder nun abgelöst haben. Das Wasser schimmert in einen leuchtenden türkisblau, wir fühlen uns nach Griechenland versetzt! Dazu ist wohltuend wenig Verkehr und Bettenburgen und Touristenströme sucht man vergebens. Wir machen Halt im Fischerhafen von Fisterra. Bunte Boote verschiedener Grösse schaukeln im Hafen. Wer Jachten sucht, wird hier nicht fündig. Es riecht nach Fisch und einige Möwen streiten sich kreischend um brauchbare Reste in einem Berg noch nasser Netze. Von hier sind es nur noch wenige Kilometer zum Ende der Welt mit seinem Leuchtturm. Ein wenig enttäuscht bin ich dann doch. Wir sind natürlich nicht allein an diesem in jedem Reiseführer verzeichneten Ort. Doch 2 grosse Baracken für den Verkauf von Souvenirs und ein Aussichtsrestaurant gleich vor dem alten Leuchtturm, das hätte dem Ende der Welt und seinen Besuchern, die hier Einsamkeit suchen, erspart bleiben können.

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