Nr. 24, 24.09.01
398 Km von Monte Gordo nach Andujar. Die
ersten Kilometer gehen über Landstrasse. Alles ist wieder gesattelt, die Transalp brummt unter mir, da ist sie sofort wieder da; die Lust am Fahren, speziell am Weiterziehen. Ich tuckere durch Strassen mit kleinen weissen Häusern. Blumen
stehen in bunten Töpfen vor den Haustüren, Kinder spielen mit Bällen. Wir sehen schneeweisse Dörfer zwischen sanften Hügeln. Glücklich neues zu entdecken könnte ich noch Wochen so weiterziehen. Anders Martin; er hat keine Lust mehr aufs
Fahren und leidet unter der Hitze, welche ich als schönes Wetter empfinde. So wählen wir mal wieder die Autobahn. Doch von Langeweile keine Spur. Immer wieder passieren wir weisse Städte. Kleine Höfe mit Palmen und Oliven, verfallene
Häuser und prächtige Gutshöfe und Villen ziehen vorbei. Wir streifen das grösste zusammenhängende Olivenanbaugebiet der Welt. Das Gras ist verdorrt so bleiben nur 2 Farben: Ocker die Erde und das silbrige grün der Bäume. Dann werden die
Bäume spärlicher; wir durchfahren eine riesige heisse Ebene. Ich bin begeistert und erstaunt, wie viele Töne es zwischen hellem Sand über rostrot zu dunkelbraun gibt! Es müssen Tausende sein. Während ich mich am Farbenspiel der Erde
erfreue leidet Martin in der Hitze. Gegen Nachmittag wird die Landschaft hügelig und ein helles Ocker dominiert. Wir fahren weite Strecken durch eine Baumlose Wüste. Die Felder sind abgeerntet, die letzten Gräser lange vertrocknet. Es
sieht wirklich aus, als führen wir durch eine Dünenlandschaft. Dann wachsen auf den vermeintlichen Sandbergen plötzlich Olivenbäume; ein bizarres Bild! Ich bin voller Begeisterung für diese karge, heisse Gegend dass ich am liebsten einen
Fototag hier einschieben würde. Doch leider werden unsere Tage knapp. Keine Zeit für einen weiterem Tag in diesem entlegenen Backofen. Wir finden den eingezeichneten Campingplatz nicht, und quartieren uns im Hotel ein. Ich geniesse den
Luxus eines heissen Bades - einfach göttlich! Spät am Abend gehen wir noch spazieren. Viele Jugendliche fahren mit ihren Rollern und 125ern ohne Helm, dafür aber mit irrem Tempo in falscher Richtung durch die Kreisverkehre. Es ist
Mitternacht durch, doch Horden von jungen Leuten sind unterwegs. Aus einer Seitenstrasse quillt ohrenbetäubender Lärm. 4 nebeneinander liegende Bars haben die Musik auf volle Lautstärke gestellt. Allerdings spielen sie verschiedene
Platten; wir verstehen in diesem Chaos aus Lärm und quietschenden Reifen unser eigenes Wort nicht, doch die Jungen amüsieren sich prächtig. Wir schauen uns an und müssen lachen - hätte uns das früher auch gefallen?
Nr. 25, 15.09.01
Ein grosser Vorteil bei Hotelübernachtungen ist, dass man am Morgen früher los kommt. Es ist gerade 10 Uhr, als wir auf den Maschinen
sitzen. Die Landschaft gestern hat auch Martin imponiert, so dass auch er sich auf die heutige Fahrt freut. Wir verlassen die Autobahn nach wenigen Kilometern bei Linares. Wir fahren stundenlang durch sorgfältig gepflegte Olivenplantagen.
Was im Vorbeifahren als öder steiniger Boden erscheint, entpuppt sich beim Fotostop als sorgfältig gelockerte und geharkte Erde. Wir streifen das Olivengebiet nur, doch nach mehreren hundert Kilometern Olivenplantagen die sich auch rechts
und links bis zum Horizont erstrecken, bekommt der Begriff "Weltgrösstes Olivenanbaugebiet" für mich eine reelle Dimension. Als die Oliven enden passieren wir viele verlassene Häuser und aufgegebene Höfe. Die Gegend scheint öde
und verlassen. Nach einiger Zeit, verliere ich den Blick für das Farbspiel der Steine und merke, dass ich langsam in eine Art Halbschlaf falle. Damit ist es dann abrupt vorbei. Hinter einem Hügel wird die Strasse plötzlich kurvenreich.
Seit Galicien haben wir keine nennenswerten Kurven mehr gesehen; so dauert es eine Weile, bis mir wieder eine saubere Linie gelingt. Unsicher eiere ich durch die ersten Kehren. Ah ha, das war ja das, was beim Motorrad fahren gefehlt hatte
in den letzten Tagen. Voller Freude gebe ich mich dem Kurvenrausch hin, habe kein Auge mehr für die Gegend. Unbemerkt haben wir eine Höhe um die 1000 Meter erreicht. Dann finden wir uns in einer gigantischen Ebene wieder. Bis zum Horizont
ist alles Topfeben. Gepflügte Felder und grossflächige Bewässerungsanlagen lassen auf eine intensive Landwirtschaft schliessen. Jetzt, wo alles abgeerntet ist und die letzten Halme vertrocknet sind, komme ich mir vor wie in einer glühenden
Steppe. Ohne eine Spur von Verwunderung betrachte ich eine Herde Strausse am Wegesrand; so stelle ich mir auch den natürlichen Lebensraum dieser Riesenvögel vor. Endlich tauchen Hügel auf. Erst kleinere Erhebungen, dann grössere, spitze
Kegel. Es wird steiniger, schroffer. Auf einigen Spitzen dieser Berge sehen wir Festungen oder deren Ruinen. Welche Anstrengungen früher nötig waren, das Baumaterial dort hinauf zu schaffen! Als wir die Berge durchqueren, welche das
Küstengebiet vom heissen Hinterland trennt, tauchen die ersten Orangenhaine auf. Nach 2 Tagen Oliven und Gestein, ist das glänzende, saftige grün dieser buschigen Bäume ein regelrechter Angriff auf unsere Sehnerven. Die Hänge sind mit
Mauern aus Bruchsteinen terrassenartig angelegt. An den dort wachsenden Orangenbäumen reifen schon die Früchte, die wir Weihnachten auf den Tellern haben werden. Als wir am Abend die Küste bei Denia erreichen, stehen 482 Km auf dem Tacho.
Ich bin müde und kann nicht mehr sitzen. Beim Abendessen sind wir uns einig, dass wir heute eine der abwechslungsreichsten Etappen dieser Reise zurück gelegt haben.
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