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29.07.02 Der Tag präsentiert sich mit blauem Himmel und Hitze schon am Morgen.
Um 8 Uhr in der Frühe sind die Straßen noch menschenleer. Genau die richtige Mischung für einen ausgedehnten Fotostreifzug. Der erste Eindruck von gestern hat
nicht zu viel versprochen, ich bin ganz begeistert von der Stadt, deren Kern so gut wie ausschließlich aus schönen alten Häusern besteht. Von der Weichselseite wird die
Stadt von der alten Stadtmauer mit mehreren Toren gesäumt. Das Ufer ist als breite Promenade mit Blumenschmuck und schattigen Biergärten angelegt.
Betritt man die Stadt durch eines der Tore, befindet man sich in den gepflasterten
Gassen der Altstadt. Torun entwickelte sich aufgrund der günstigen Lage an der Weichsel bereits im 13. Jahrhundert zu einem Handelszentrum. In der Mitte des
Marktplatzes steht natürlich das Rathaus, an dem gut 200 Jahre gebaut wurde. Torun wird geschmückt, durch ein bisher noch nie gesehenes Ensemble von Bürgerhäusern
und Kirchen aus roten Ziegeln. Besonders prächtig ist neben dem Rathaus das neugotische Postgebäude. Vor dem Rathaus steht das Nikolaus-Kopernikus-Denkmal.
Die Sockelinschrift berichtet, er habe die Erde in Bewegung und die Sonne zum Stillstand gebracht.
Leider fällt mein Besuch auf einen Montag, die Museen sind geschlossen und mir
bleibt sowohl das Rathausmuseum, wie auch die Ausstellung im Geburtshaus des berühmten Astronomen verschlossen. Neben den fantasievoll dekorierten Ziegelgebäuden fielen mir mehrere mit üppigen Stuckornamenten besetzte Fassaden
auf. Herausragende Beispiele sind das Haus zum Stern sowie das Dambski Palais. Beide stammen aus dem Ende des 17. Jahrhunderts und sind mit auffallenden Pflanzenornamenten geschmückt.
Torun ist touristisch gut erschlossen; ich empfinde das ganz positiv, denn es findet in
Maßen statt. Viele kleine Cafés und Restaurants laden innen wie außen zum Verweilen ein, auf das Durchschleusen von ganzen Busladungen von Reisenden ist man hier
nicht eingestellt. Der Großteil der Touristen kommt aus dem eigenen Land, fremde Töne höre ich ganz selten.
Dass mir Einlass im Freilichtmuseum "Etnograficzny" gewährt wird, verdanke ich einer
Schulklasse, die an diesem Montag einen Ausflug in diese Anlage macht. Alte polnische Bauernhäuser und Mühlen aus dicken Holzbohlen wurden aus dem Norden
des Landes in dieses Museum gebracht und geben einen Eindruck vom Landleben im 18. und 19. Jahrhundert. Beim Blick in die einfachen Bauernstuben denke ich darüber
nach, was der Mensch braucht und was Luxus ist. Sicherlich waren die Menschen damals auch nicht unzufrieden. Bemerkenswert finde ich den kleinen Friedhof, dessen
Grabsteine und verschnörkelte Metallkreuze alle deutsche Inschriften tragen.
Als ich den kühlen Schatten der alten Bäume im Park verlasse um die Ruinen der alten
Ordensburg zu besuchen, erschlägt mich förmlich die Hitze der Stadt und ich beschließe, mein Besichtigungsprogramm auf die Toruner Kirchen zu verlegen. In der
Marienkirche beeindrucken das filigrane Sterngewölbe sowie herrliche gotische Wandmalereien und in der St.-Johannes-Kathedrale gefällt mir eine wunderschöne
Moses Büste aus dem Jahr 1400. Da mir bei der Hitze offensichtlich nichts Besseres einfällt, erklimme ich den Glockenturm um die Stadt von oben betrachten zu können.
Bei dieser Gelegenheit besichtige ich auch gleich die 6 Tonnen schwere Glocke, die "Tuba Dei", welche die zweitgrößte Glocke Polens ist und mindestens 4 kräftige Männer braucht um sie zum Klingen zu bringen.
Nach diesem doch recht umfangreichen Programm lasse ich den Abend am Weichselufer ausklingen. Hier
geht ein leichter Wind, doch mein kleines Thermometer zeigt gegen 21 Uhr noch immer 28 grad.
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