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11./12.7. Nun bin ich also wieder unterwegs nach Polen. Nur ein wenig weiter, bis nach Masuren geht
diesmal die Fahrt. Als wir am Nachmittag die Marienburg passieren, welche sich malerisch in der Nogat spiegelt, fühle ich mich zufrieden wie lange nicht mehr; so schnell hätte ich nicht erwartet wieder hier zu sein.
Mein bepacktes Reiserad hat Gesellschaft bekommen denn ich habe eine Reisebegleiterin gefunden. So ziehen sich die 21 Stunden Anfahrt dann diesmal nicht endlos dahin, sondern werden zum Pläneschmieden genutzt.
Trotzdem sind wir total geschafft als wir am Abend vor dem Olsztyner Bahnhof stehen. Der zu Hause ausgesuchte Campingplatz ist zwar auch im neu erworbenen Stadtplan eingezeichnet, in der Natur jedoch nicht
vorhanden. Wir geraten statt dessen in eine gewaltige Baustelle. Mit unseren beladenen Rädern sehen wir wohl sehr nach Zelten aus, denn eine ältere Dame spricht uns an. Wir erfahren, dass der Campingplatz wegen
Bauarbeiten für 5 Jahre geschlossen ist und bekommen eine Wegbeschreibung zu einem Platz mit Biwakmöglichkeit. Nach einer Sandpiste finden wir den Platz kurz vor Anbruch der Dunkelheit. Wir sind so müde, dass uns
Buckelwiese und Ekel-WC kalt lassen. Die Besitzer sind freundlich und hilfsbereit, also bleiben wir. Wo sollten wir auch heute noch hin? Picknickplatz, Bootsverleih, Jugendcamp und Biwakmöglichkeit. 1 Dusche u. 1 WC für alles, 18 Zloty.
13.7. Beim Frühstück lerne ich, was Milchkaffee auf Polnisch heisst. Die Tour startet
erst morgen, heute erkunden wir Olsztyn. In der Jakobikirche ist gerade Gottesdienst, als wir ankommen. Wunderschöne Musik lockt mich näher und lässt mich mit Gänsehaut hinter der letzten Reihe verweilen. Zur
Orgelmusik singen Sängerinnen, begleitet von der gesamten Gemeinde. Die Kirche ist voll bis auf den letzten Platz und ALLE singen mit! Anschliessend besichtigen wir die hübsche Burg. Besonders die schönen,
geschnitzten Truhen haben es uns angetan und natürlich muss der Turm bestiegen werden. Der Ort hat eine nette Fussgängerzone. Leider wird das Rathaus von einem Baugerüst verdeckt aber es gibt einen Marktplatz und
nette Cafés. Nach Zerstörung des Ortes durch die rote Armee hat man sich bemüht der Stadt ein hübsches Gesicht zu geben. Die Häuser muten barock an, doch die Dekoration ist oft sozialistischem Zeitgeschmack
angepasst. Nach einem leckeren Essen schauen wir den Park und das neue Rathaus an. Mein Reiseführer verspricht eine alte jüdische Totenhalle und das Wohnhaus des Friedhofswärters. Das Ergebnis der einstündigen Suche
ist jedoch enttäuschend; der Gebäudekomplex ist grau mit Gittern vor den Fenstern. Das sieht eher aus wie ein nicht mehr genutztes Elektrohaus mit Graffiti an der schmutzigen Fassade. Vom ehemaligen jüdischen
Friedhof fehlt jede Spur. Es ist heiss heute, so fahren wir zum Ukielsee, um noch einwenig zu relaxen. Wir finden ein modernes Restaurant im Bootshausstil mit hölzernen Terrassen über dem Wasser. Der Cappuccino ist
gut und von unserem schattigen Platz geniessen wir noch lange den Blick auf weisse Segel und viele Schwäne auf dem See. Tages-Km: 14. |
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14.7. Die erste Etappe führt Richtung Mragowo (Sensburg). Nach meinen Erfahrungen vom
letzten Jahr in Zentralpolen scheidet die rot eingezeichnete Hauptverbindungsstrasse aus. Von den vielen kleinen Nebenstrassen führt leider keine einigermaßen auf unser Ziel zu, sodass wir die reale Entfernung
schlecht schätzen können. Auf der Karte suchen wir 2 Ausweichplätze aus, falls wir die Strecke nicht schaffen, schliesslich ist es für mich die erste grössere Strecke in diesem Jahr. Wie erwartet, beginnt mein
völlig untrainierter Hintern nach 50 Km zu schmerzen. Landschaftlich ist diese erste Etappe ein Traum. Leicht hügelig aber keinesfalls zu anstrengend fahren wir fast immer auf Alleen. Wie im letzten Jahr fallen mir
die vielen Wildblumen auf, deren Artenreichtum mich immer wieder überrascht. Obwohl wir uns noch auf der Anfahrt nach Masuren befinden, passieren wir zahlreiche Seen und sichten reichlich Störche. Einige Kilometer
durchfahren wir brachliegendes Ackerland, auf dem sich ein endloses Meer duftender Kamille ausgesät hat, ein Fest für Augen und Nase! Die letzten 20 Kilometer leide ich Höllenqualen. Als wir nach 86 Km in Mragowo
ankommen, will ich nie wieder sitzen. Der Ort ist eine Enttäuschung. Wir werden mit tosendem Verkehrschaos begrüsst, und ich bin heilfroh lebend die hübsche Uferpromenade erreicht zu haben. Beim Rundgang frage ich
mich, was an dieser Stadt sehenswert sein soll? Die Häuser sind heruntergekommen, enge Bürgersteige laden nicht gerade zum Flanieren ein und über allem nervt der heftige Verkehr. Wir beschliessen, den Abend am
Seeufer unterhalb unseres Campingplatzes ausklingen zu lassen. Camping Czezar, Ordentliche Rezeption, gepflegter Platz, 29 Zloty. Tagesetappe 86 km
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