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15.7.
Mein schmerzender Po lässt uns die kürzeste Verbindung zum heutigen Etappenziel Mikolajki
(Nikolaiken) wählen. Zum Glück ebbt der Verkehr kurz nach dem Ortsausgang deutlich ab. Die 29 Kilometer Hauptstrasse sind erträglich, vermutlich befinden wir uns nicht gerade am Nabel
der Welt. Es begegnen uns kaum LKW und die heranrasenden Autos machen doch einen ausreichenden Bogen um uns, so bedauern wir unsere Wahl nicht.
In Mikolajki finden wir einen hervorragenden Campingplatz. Die Sanitärräume sind nicht nur
sauber sondern auch frisch eingerichtet und es gibt sogar abschliessbare Türen vor den Duschkabinen - ein bisher in Polen unbekannter Luxus. Den Nachmittag verbringen wir in
Mikolajki. Der Vergleich aus dem Reiseführer, dort wird vom Venedig des Nordens gesprochen, ist zwar über alle Maßen übertrieben, doch der Ort ist hübsch und eine Promenade am
Seeufer bietet neben Bootsanleger und Jachthafen auch jede Menge Gastronomie. Hier hat man sich nicht lange mit der Restaurierung alter Bausubstanz aufgehalten, sondern ein ganz
neues Viertel aus dem Boden gestampft. Ich meine das keinesfalls negativ, denn bei der Gestaltung hat man Fantasie eingesetzt und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.
Die touristische Infrastruktur sorgt dafür, dass der ganze Ort voller Touristen ist, die leider mit Badelatschen und halb nackt durch die Gassen laufen; ein Anblick, an den ich mich vermutlich niemals gewöhnen werde. Camping Wagabonda, penibel sauberes, neues Sanitärgebäude, 27 Zloty. Tagesetappe 29 km.
 16.7. Der Tag begrüsst uns mit Sonnenschein. Heute wollen wir die Umgebung Mikolajkis erkunden. Beim Versuch den im Reiseführer erwähnten jüdischen Friedhof zu finden, besichtigen wir
unfreiwillig den Ort Stawek. Hier haben die Strassen keine Namen und die jungen Männer hocken mit der Bierflasche am Büdchen. Die holprige Strasse hatte früher mal Kopfsteinpflaster. Vor einem
trostlos grauen Haus fegt eine dürre alte Frau in gekrümmter Haltung den Weg. Den gesuchten Friedhof finden wir auch beim zweiten Versuch nicht und beschliessen später mit Stadtplan noch einmal zu suchen.
Wir brechen auf zum Mazurski Park Krajobrazowy (Masurischer Landschaftspark) wenige Kilometer
östlich von Mikolajki. Am Kanal zwischen dem Jezioro Sniardwy (Spirdingsee) und dem kleinen Jezioro Luknajno (Lucknainer See) gibt es einen kurzen Wanderweg, der zu einem Aussichtsturm
führt. Der schmale Pfad windet sich durch Wald und führt schliesslich als hölzerner Steg in sumpfigem Gelände zum Aussichtsturm. Der Turm erlaubt eine gute Aussicht auf die Brutkolonie
Schwäne, die hier bis zu 1300 dieser anmutigen weissen Vögel beherbergen soll. Leider haben wir die Brutzeit verpasst und können nicht einmal 20 Schwäne ausmachen.
Übles Kopfsteinpflaster verhindert weitere Exkursionen am nördlichen Ufer des Jezioro Luknajno.
Schade, die Landschaft in diesem Vogelparadies ist traumhaft schön, wir hätten ohne unsere Räder kommen sollen. Zurück in Mikolajki verdichtet sich innerhalb kurzer Zeit die Bewölkung. So fahren
wir lieber zum Campingplatz zurück und machen unsere faltbare Unterkunft wetterfest. Nicht umsonst, denn das nachfolgende Gewitter ist so heftig, dass ein riesiger Baum umfällt und ein
Vorzelt zusammenbricht. Der Regen mag nicht mehr aufhören, so verbringen wir den Nachmittag in einem Pfannkuchenhaus, wo wir nach den köstlichen Champignon Pfannkuchen noch eine doppelte Portion Blaubeerpfannkuchen vertilgen. (6 Zl.p. Portion; Kaffee 3 Zl. „Bar Nalesnik“)
Spontan buchen wir noch eine Bootsfahrt auf dem Jezioro Sniardwy. Während der Fahrt wird uns
klar, warum dieser grösste der Masurischen Seen auch „Masurisches Meer“ genannt wird; die Grösse der Wasserfläche ist beeindruckend. Leider bleibt der Himmel verhangen und wir müssen
auf den erhofften Sonnenuntergang verzichten. (18 km, Disco auf dem Wagabondia).
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