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25.07.03 Das Frühstück fällt ausgesprochen üppig aus, so starten wir mit viel zu vollen Mägen. Gut, das wir die Wallfahrtskirche gestern im weichen Abendlicht
gesehen haben, jetzt am Vormittag herrscht übles Gegenlicht, welches die prächtige Anlage matt und glanzlos erscheinen lässt. Nach 5 Km erreichen wie Reszel (Rössel) und ich bin sofort begeistert. Hier sehen wir zum ersten
Mal eine Stadt, mit Rathaus in der Mitte und kompletter Vorkriegsbebauung. Das saubere Städtchen ist voller Leben und die
hübschen Häuser locken immer wieder die Nikon aus der Tasche. Reszel (Rössel) ist an der Grenze zum Ermland, einer
Region, die ich vergangenes Jahr schon gestreift hatte. Diese hübschen Orte habe ich in Masuren stets vermisst, so herrlich und vielfältig sich dort die Natur präsentiert, die Städte sind trist und abweisend.
Meine Begleiterin ist eine Pferdenärrin, unsere nächste Station ist daher das Gestüt in Liski bei
Bartoszyce (Bartenstein). Wir befinden uns 12-15 Km von der russischen Grenze, entsprechend vergessen sieht auch die Infrastruktur aus. Die Strassen sind löchrig, es fehlt an der Beschilderung
und wir finden zwischen Reszel und Bartoszyce nicht einen einzigen Laden, der kalte Getränke verkauft; mit Ausnahme von Bier natürlich. In einem kleinen Strassennest namens Satoczno finden
wir eine steinalt aussehende Backsteinkirche mit einigen alten deutschen Gräbern im Garten. Wir finden die Grabplatte von einer "Gräfin zu Eulenstein", die dort 1811 bestattet wurde sowie ein
leider abgebrochenes Metallkreuz, dessen Inschrift auf einen "Ritter und Gutshofbesitzer" hinweist.
Das Gestüt in Liski ist noch in alten Gebäuden untergebracht, die gepflegte Anlage ist weitläufig
und die Tiere stehen in riesigen Boxen. Leider gibt es niemanden, der Deutsch oder Englisch spricht, in der verschlossenen Reithalle wächst Gras und für herumlaufende Touristen interessiert
sich auch niemand. In unserem Reiseführer stand, dass dieses Gestüt ums finanzielle Überleben kämpft. Während unseres 45 minütigen Aufenthaltes kamen noch 4 weitere Familien und Paare,
denen keine Beachtung geschenkt wurde. Da wäre sicherlich noch Potential. Meine Begleiterin ist ein wenig enttäuscht, hätte sie doch so gern ein Stündchen geritten. Auch in Liski bekommen wir
keine kalten Getränke und erreichen Bartoszyce (Bartenstein) nach 72 Kilometern recht ausgetrocknet. Campingplätze gibt es hier nicht und das im Reiseführer angegebene Hotel ist nicht
mehr vorhanden. Die Hotels, die wir vor Ort wirklich finden, sind belegt. Da wir nicht vorhaben unser Zelt im Strassengraben aufzuschlagen, bleibt mir nichts anderes übrig, als im teuer aussehenden Hotel Bartis zu fragen und bin angenehm überrascht. Das fein eingerichtete Doppelzimmer kostet mit Frühstück 220 Zloty (ca. 50 €). Wir machen noch einen Standrundgang und besichtigen die
wenigen erhaltenen, zwischen hässlichen Einheitsbauten verteilten Gebäude, die den Krieg und die Zeit überlebt haben.
26.07.03
Heute müssen wir bis Frombork (Frauenburg) kommen denn vorher gibt es keine Möglichkeit zu zelten. Ein Blick in
Reiseführer und Landkarte ergibt eine zu fahrende Strecke von fast 100 Kilometern und so gut wie keine Sehenswürdigkeiten.
Es wird also ein reiner Tag zum "Streckemachen". Da wir seit Suwalki keinen Ruhetag hatten, ist uns bei dieser Entfernung
schon etwas mulmig zumute als wir Bartoszyce gegen 10 Uhr verlassen. Gegen 13 Uhr erreichen wir nach 54 Km die Stadt
Pieniezno (Mehlsack), wo wir eine längere Pause mit Picknick einlegen. Unsere Etappe verläuft parallel zur russischen Grenze,
welche an der nächsten Stelle nur 8 Kilometer entfernt ist. Hier oben ist wirklich das Ende der Welt, so wie man es sich vorstellt
. Viele Höfe liegen verlassen, wir fahren lange Strecken durch Brachland, das sich bis zum Horizont erstreckt. Die
Fahrbahndecke gleicht einem Flickenteppich und strapaziert mein ohnehin wundes Hinterteil ohne Gnade. Es gibt sogar
Dörfer ohne den obligatorischen Laden, Arbeitslose stehen mit Bierflaschen herum, die ganze Gegend scheint vom Rest der
Welt vergessen zu sein. Die 30 Km von Pieniezno nach Braniewo gehen überwiegend bergab, sodass wir die Strecke recht
zügig abspulen können. In Braniewo stehen die üblichen Neubauten im Einheitsstil, wir fahren an den wenigen erhaltenen
Vorkriegsbauwerken achtlos vorüber, wollen nur noch ankommen. Gegen 17:30 Uhr erreichen wir nach 94 Kilometern den Campingplatz von Frombork, den wir heute auch nicht mehr verlassen. (Camping Frombork, 19 Zloty, saubere Sanitäranlagen, gute warme Duschen an der Strasse nach Braniewo)
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