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27.07. Endlich ein ruhiger Campingplatz ohne laute Musik und Jugendgruppen. Entsprechend
ausgeschlafen erwachen wir am Morgen, packen unsere Sachen und starten nach Frombork (Frauenburg). Nach der gewaltigen Etappe von gestern wollen wir jetzt mal 2 Tage ausruhen. Heute
besichtigen wir den Domhügel mit der Kathedrale und morgen werden wir einen gemütlichen Tag am Ostseestrand verbringen.
Die von wehrhaften Mauern umgebene Kathedrale erscheint am frühen Morgen als gewaltige Silhouette im Gegenlicht. Zunächst erklimmen wir
den alten Wasserturm, in dem unten ein niedliches Café untergebracht ist. Von oben sieht man die befestigte Domanlage, gegenüber haben wir gute Sicht auf das Frische Haff und den kleinen Hafen von Frombork. Am
Kopernikus Kanal, der eher einem Abwasserrinnsal denn einem Kanal ähnelt, hat man unter Schatten spendenden Bäumen eine kleine Promenade vom Hafen zum Domhügel angelegt. Die Büdchen, welche
alles von Fisch bis zu Waffeln feilbieten, sind hübsch gestaltet und bieten schattige Sitzplätze, sowas haben wir seit vielen Tagen nicht mehr gesehen.
Die Domanlage erscheint fast wie eine Burg, ist sie doch nur über eine
Holzbrücke und durch ein Tor zu erreichen. Auch innen wirkt die Anlage eher wehrhaft als kirchlich. Wir besteigen den Glockenturm, der sich gegenüber der Kathedrale befindet, sehen eine kleine Nikolaus
-Kopernikus-Ausstellung und nehmen uns natürlich viel Zeit für den herrlichen Dom mit seinen vielen Kunstwerken.
Gegen Mittag erreichen wir mit Mühe das Schiff nach Krynica Morska,
weil meine Uhr zwischenzeitlich mal wieder stehen geblieben ist. Wir haben Mühe, unseren Berg Gepäck nebst Rädern auf dem völlig überfüllten Schiff unterzubringen. Drüben angekommen, kaufen wir je
ein Pfund Himbeeren und Blaubeeren für ein gemütliches Picknick am Strand. Der Campingplatz ist so voll, dass wir nur die Köpfe schütteln. Der riesige Platz liegt im hügeligen Wald, es gibt kein ebenes Fleckchen,
keine Parzellierung aber restlose Überfüllung. Wir finden eine winzige, buckelige Ecke zwischen parkenden Autos für unser kleines Zelt.
Wenig später, am Strand, schwinden unsere Vorstellungen von gemütlichem Strandleben dann völlig.
Es ist so voll, wie ich es bisher nur in Badeorten an der Costa Brava erlebt habe. Decke liegt an Decke, dazwischen versuchen Kinder mit Bällen zu spielen und es gibt von den bewaldeten
Dünen bis zur Wasserkante kein Plätzchen für zwei müde Radlerinnen. Ganz Polen scheint hier, wenige Kilometer vor der russischen Grenze Ferien zu machen. Nachdem wir diesen Rummel bis
zum Abend ertragen haben, überlegen wir, was wir nun weiter machen wollen. Einen weiteren Tag halten wir hier nicht aus, das ist keine Erholung, sondern Stress. Eigentlich wollen wir noch zum
Oberländischen Kanal, um zu sehen, wie Schiffe über Schienen bergauf gezogen werden. Andererseits würden wir dann in
Danzig wieder in den Dominikanermarkt kommen, der lt. Reiseführer am 31.7. beginnt, und dessen Kirmesbuden mir letztes
Jahr schöne Fotos von Danzig vermasselt haben. Da mich Danzig so sehr fasziniert hat, und meine Begleiterin die Stadt noch nicht kennt, entscheiden wir uns gegen den Kanal und für eine budenfreie Stadt. (Camping Gallus, 27,82 Zloty, nur je 5 Duschen für Männer/Frauen bei mehreren hundert Campern viel zu wenig. WC-Anlage Top)
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28.7. Die Fahrt am frischen Haff ist alles andere als ein Vergnügen. Obwohl es sich um eine Sackgasse
handelt, die wenige Kilometer weiter an der Grenze zu Russland endet, ist hier der Bär los. Zwar gibt es keinen Schwerlastverkehr, doch rasen die Autos pausenlos in beide Richtungen an uns vorbei.
Die Straße verläuft schön im Naturpark durch schattigen Wald, doch brauchen wir unsere ganze Konzentration auf der Straße, denn wir werden auch bei Gegenverkehr überholt. Die wenigen Orte,
die wir passieren gleichen Rummelplätzen oder Flohmarktständen. Alles ist voller Buden, Kioske und Menschen in Badekleidung mit Schwimmtieren unterm Arm. Wir sind froh, als wir endlich die
rappelige Pontonbrücke vor Danzig überquert, und damit die Badeküste hinter uns haben. Es geht noch einige Kilometer durch schöne Auenlandschaft, bis wir die Industrieanlagen vor der Stadt
erreichen und dem lärmenden Verkehrsgewühl nicht mehr entkommen können. In der Stadt geht zu unserer Begrüssung gleich das tollste Gewitter los. Obwohl wir unter einem riesigen Sonnenschirm
sitzen, sind wir bald nass. In der nahen Touristeninfo vermittelt man mir ein hübsches Quartier, wo wir freundlich mit frischem Kaffee empfangen werden. (61 km, Villa Anna, 120 Zloty incl. Frühstück)
29.07. Das Wetter scheint umgeschlagen zu sein. Der Tag begrüsst uns mit dicken Wolken und Regen. Es kommt noch schlimmer,
denn entgegen meinem Reiseführer hat der gefürchtete Dominikanermarkt bereits am 26.7. begonnen. Wir laufen enttäuscht
durch die mit Plastikplanen verschandelten Strassen auf der Suche nach guten Fotoperspektiven. Das Ganze ist eher
aussichtslos, die schönsten Ansichten sind von Krims-Krams-Ständen verschandelt. Vor dem Regen flüchten wir in Museen
und Kirchen und besteigen den Glockenturm der gewaltigen Marienkirche sowie den niedrigeren Rathausturm. In der
Marienkirche ist diesmal keine Ausstellung, so wirkt dieses riesige, 25.000 Menschen fassende Gotteshaus noch gewaltiger. Im
Rathausmuseum sehen wir Fotos von Danzig nach dem 2. Weltkrieg, als die Stadt nur noch ein Trümmerfeld war. Im Uphagen
-Haus erleben wir dagegen, wie die wohlhabenden Bürger im alten Danzig gelebt haben und sind begeistert von der prächtigen Ausstattung der Räume. Leider wird das Wetter immer ungemütlicher, die Nikon ist lange in der Tasche
verschwunden. Diesmal streichen wir den Strandtag also wegen Regen und Kälte. Nach einem Streifzug durch das moderne Stadtviertel mit Passagen und Einkaufscenter kaufen wir für morgen Fahrkarten zurück nach Stettin.
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